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Alice Schnelligkeit
Erni Mangold
January 26th, 1927 - September 5th, 2026
January 26th, 1927 - September 5th, 2026
Ich bin stolz auf meine Auszeichnungen, aber das war für mich das schönste Geschenk. Einen eigenen Straßennamen kriegt man ja für gewöhnlich nur posthum.
Erni Mangold, geboren am 26. Jänner 1927 als Erna Goldmann in Großweikersdorf, Niederösterreich, war eine der beständigsten und unverwechselbarsten Persönlichkeiten der österreichischen und deutschsprachigen Bühne und Leinwand. Sie nannte sich selbst ein „Theatervieh" – und selten hat eine Selbstbeschreibung so präzise ins Schwarze getroffen.
Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie – ihr Vater Maler und Lehrer, ihre Mutter eine begabte Pianistin, die ihre Konzertkarriere für die Familie aufgab – erhielt Erni bereits mit vier Jahren Klavierstunden und begann mit fünfzehn Jahren ihre Schauspielausbildung an der Schauspielschule Krauss in Wien. 1946 gab sie ihr Bühnendebüt am Theater in der Josefstadt, wo sie rasch als Publikumsliebling reüssierte. Wer sie jedoch auf ein einziges Rollenfach festzulegen versuchte, kannte Erni Mangold schlecht.
1955 zog sie nach Hamburg, um unter dem legendären Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus zu arbeiten – eine Entscheidung, die ihr künstlerisches Wesen für immer prägte. Es folgten Jahre am Düsseldorfer Schauspielhaus und Gastengagements an deutschsprachigen Bühnen bis 2017. Parallel dazu begann ihre Film- und Fernsehkarriere, die über 70 Jahre und mehr als 140 Produktionen umfassen sollte: von „Der Engel mit der Posaune" (1948) über ihre internationale Bekanntheit als Wahrsagerin in Richard Linklaters „Before Sunrise" (1995) bis hin zur gefeierten Hauptrolle in „Der letzte Tanz" (2015), für die sie den Österreichischen Filmpreis erhielt.
Ab 1972 unterrichtete Mangold an der Salzburg Mozarteum, der Theaterschule Helmut Kraus und ab 1984 als Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Zu ihren Studierenden zählten Michael Schottenberg und Christoph Waltz.
2011 veröffentlichte sie ihre Memoiren „Lassen Sie mich in Ruhe" – ein schonungslos ehrliches Buch, in dem sie sexuelle Belästigung, Übergriffe und Diskriminierung im Nachkriegstheater beim Namen nannte. Bis ins hohe Alter blieb sie eine streitbare, couragierte Stimme gegen Rechtsextremismus und für die Würde der Frau.
Im Dezember 2017, mit 90 Jahren, verabschiedete sie sich nach stehenden Ovationen vom Publikum der Wiener Kammerspiele als Maude in „Harold and Maude" – und kommentierte den Jubel charakteristisch trocken. Am 5. September 2026 schlief Erni Mangold in einem Wiener Pflegeheim ein, umgeben von ihrer Familie. Sie wurde 99 Jahre alt und hinterlässt ein Werk, das Österreich noch lange prägen wird.
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